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Thema Stadtmarketing

01-07-2014 14:30 von Walter Hannot (Kommentare: 7)
Impulsreferat eines Treffens zum Thema Stadtmarketing am 30. Juni

0 Präambel

Stadtmarketing in Meißen – inzwischen eine völlig verfahrene Situation, da brauchen wir nicht mehr viel zu sagen. Stadtrat und Stadtverwaltung werden auf absehbare Zeit nichts Brauchbares liefern.

Zwei Ergebnisse gibt es bislang:

  • Einführung Kurtaxe / Fremdenverkehrsabgabe
  • Gründung Marketing GmbH. Getreu dem Motto: Wir wissen nicht, was wir konkret machen. Aber wir wissen, dass es Geld kostet. Also Abgabe! Und wir wissen, dass das Ausgeben organisiert werden muss. Also Marketing GmbH! 

Das sind zwar vielleicht zwei Ergebnisse des Prozesses in dieser Stadt. Das Ganze hat aber nichts mit den inhaltlichen Zielen und auch nichts mit den Maßnahmen zu tun, das alles gehört eher ins Fach "Organisatorisches".

Wir haben kein Mandat in diesem Prozess, wir können kein konkretes Handeln veranlassen. Wir können aber konkrete Vorschläge machen. Damit diese Akzeptanz finden, sind es konkrete Vorschläge. Wir haben alle häufig genug davon gesprochen, dass wir den handelnden Personen und Aufgabenträgern in der Stadtverwaltung nicht viel zutrauen. 

Und dann ist da noch das Geld. Wenn Kurtaxe, Fremdenverkehrsabgabe und weitere staatliche Zuschüsse am Schluss jährlich ein Budget von 250.000 Euro bilden, dann wäre das schon sensationell. Sofern das Geld nicht in völlig andere Dinge gesteckt wird, wie ja auch bereits angeklungen. 

1 Ziele

Für ein Stadtmarketing im umfassenden Sinne fehlt uns sowieso das Geld. Wir konzentrieren uns daher auf fünf Ziele, die allerdings sehr akute Hintergründe haben:

  • mehr Touristen mit mehr Übernachtungen (deutschlandweit)
  • mehr Besucher (regional - Radius bis 100 km)
  • mehr Zuzügler (Wohnbevölkerung)
  • mehr Läden (insbesondere Altstadt)
  • mehr Identifikation (untereinander, mit unserer Stadt)

Um bei diesen Zielen voran zu kommen, müssen wir allerdings sowohl am Produkt wie auch am Marketing arbeiten. Wenn das Produkt nicht stimmt, kann ich mir das Marketing sparen.

Wir wissen alle, dass es in Meißen an einem Masterplan für die Entwicklung fehlt. Die Stadt wird verwaltet, aber nicht systematisch weiter entwickelt. Hunderte Einzelmaßnahmen wären wirkungsvoller, wenn sie aufeinander abgestimmt, miteinander verzahnt ergriffen würde. Das gilt auch für die o.g. Ziele. Einzelne Maßnahmen bewirken kaum etwas, wenn, muss das Ganze gesamtheitlich zur Wirkung gebracht werden.

2 Zielgruppen / Maßnahmen (beim Produkt wie beim Marketing)

2.1 Touristen

Zielgruppe 50+
50+ ist selbstredend eine entscheidende Zielgruppe für den Kulturtourismus. Allerdings in der Altersgruppe der 55- bis 65jährigen liegt der Anteil der Schwerbehinderten bei 23%, bei den über 65-Jährigen bereits bei 55%. Die sind natürlich nicht alle gehbehindert oder Rollstuhlfahrer, aber die größte Gruppe darunter ist es. Und wenn einer in einer Touristengruppe von 3 Paaren davon betroffen ist, kommen alle nicht nach Meißen. Oder fahren höchstens zur Manufaktur, in der Altstadt sind sie hingegen ja rettungslos verloren. Pflaster mit zu großen Abständen und Lücken - Wildpflaster - Gehwegkanten - behindertengerechte Einrichtungen - Toiletten usw. Wir haben zu Recht noch nicht einmal eine Info für diese spezielle Zielgruppe. Und damit fallen uns auch die älteren, nicht mehr ganz so fitten Senioren weg. Die quartieren sich im viel fußfreundlicheren DD ein und kommen Meißen höchstens besuchen.

Wir brauchen die rüstige Teilmenge der 50+. Individualtouristen. Mehrtägige Angebotspakete - Denn was haben wir bislang? PMM - Albrechtsburg - Dom - Und alles gerahmt von einem irgendwie und irgendwo durch die Altstadt Bummeln. Allerdings ist das Produkt Altstadt selbst kaum aufbereitet. Es fehlen Themenpfade, die auch die Erkundungskreise deutlich ausweiten bis nach Proschwitz, Zaschendorf, auf den Plossen, Cölln usw. Wanderwegspakete für Zielgruppen (sportlich bis flach). Und eine erzählende Altstadt. Momentan haben wir doch nur eine Ausschilderung, die die Touris zu Dom, Rathaus, Burg schickt, wo sie sowieso hin kämen. Die 450 weiteren Häuser, Weinberge, Gaststätten, Plätze, Ruinenfragmente haben doch auch alle viel Geschichte zu erzählen. Dieses Freilichtmuseum ist aber nur rudimentär erklärt. An vielen Stellen fehlen thematische Bündelungen, immer mit Ausgangspunkt Meißen: Radurlaub, Weinurlaub, Genießerurlaub, Wanderurlaub, Familienurlaub, Gesundheit, Wellness & Hahnemann, Auf den Spuren der Romantik, Auf den Spuren der Renaissance, Auf den Spuren der Russen ... alles bis ins Detail durch dekliniert. Natürlich auch im Produkt tatsächlich vorhanden. So wird heute Individualurlaub stimuliert.

Die Marketing-Instrumente sind dann die herkömmlichen, je nachdem, was wir uns leisten können.

>>> Internetauftritt
>>> Themenflyer
>>> Messebesuche
>>> Erzählende Altstadt - Wissen ist vorhanden, es muß aufgearbeitet und in die richtige Portionierung gebracht werden. Hier könnte sicherlich der Kulturverein eine inhaltlich-konzeptionelle Arbeit machen. Die Umsetzung der Masse Stoff muß professionell erfolgen. Und die technische Umsetzung ebenfalls.

Zielgruppe: Gesundheitstouristen
Eigene Zielgruppe, insbesondere bei den Alleinstehenden 40+. Sie findet hier für ihre Ansprüche alle korrespondierenden Urlaubselemente, der Kernbereich "Gesundheit" ist in den bereits vorhandenen Dingen überhaupt noch nicht gebündelt, Hahnemann spielt derzeit noch keine angemessene Rolle und weitere Angebote sind ebenfalls überhaupt noch nicht entwickelt. Das kann aber nur Hand-in-Hand gehen mit der "Ansage" einer Gesundheitsregion, der Bedarfsanalyse und der Bündelung des Vorhandenen. 

>>> Internet
>>> Flyer

Diese Zielgruppen sind im Übrigen auch häufig „Wiederholungstäter".

Zielgruppe: Familien
Familien sind eine kaum gezielt bediente Zielgruppe, auch wenn wir hierfür grundsätzlich prädestiniert sind. Denn die können (finanziell) kaum nach DD, passen da auch nicht hin. Hier müssen wir uns in enger Kooperation mit Dresden Marketing als Alternative im Umfeld anbieten. Und natürlich das Produkt Meißen für Familien mit kleineren Kindern fitter machen. Auf das Vorhandene systematisch hinweisen, denn wir haben hier bereits sehr viel, kommunizieren es nur nicht gebündelt. Frei- und Grünflächen - Spielplätze - kinderfreundliche Restaurants - Reiterhof - Schwimmbad - Bolzplatz - Ferienkurse - Unterhaltung - Jugendkunstschule.

Anmerkung: Davon brauchen wir noch mehr. Richtig: Aber das brauchen wir auch genau so, wenn wir Familien als Zuzügler gewinnen wollen, wenn wir etwas für die Lebensqualität der Meißener tun wollen, die Altstadt füllen wollen. Es reicht nicht, fehlende Produktqualitäten durch Marketing übertünchen zu wollen.

>>> Internet
>>> Flyer

Exkurs: Wenn eigenständige Marketingmaßnahmen, dann in Berlin. In der heutigen Situation unser wichtigster Zielmarkt in sehr kompakter Form. Nahe genug, und doch bieten wir eine völlig andere Welt.

>>> Anzeigen
>>> Straßenbahn

2.2 (Tages-)Besucher

Diese kommen anlassbezogen oder wenn generell was los ist. Das Grundrauschen haben wir leider inzwischen an vielen Wochentagen wie Wochenenden verloren. Das war in den 90er Jahren noch anders. Das bekommen wir nur wieder rein, wenn wir versuchen, den gesamten Prozess auf ganzer Breite neu anzugehen. Und das ist nicht in erster Linie eine finanzielle Frage, das ist vielmehr ein Wollen und Aktivieren auf vielen Ebenen, die übrigens auch deutlich über die Möglichkeiten von Stadtmarketing hinaus gehen. Das ist Stadtentwicklung! Ohne diese läuft das Stadtmarketing an vielen Stellen ins Leere.


Wie erreichen wir diese Besucher?

a - Viele Tausende von ihnen, an jedem Wochentag fünfstellig, fahren täglich aus allen Richtungen und in alle Richtungen raus und rein in unsere Stadt. Wichtig ist, dass wir ca.10 große und kleinere Ein- und Ausfallstraßen haben, an denen die Stadt gezielt, eingebettet in ein Willkommen, regelmäßig auf die größeren Highlights in Meißen aufmerksam machen kann. Mit Datum und Internetadresse. Man stelle sich vor, große, freistehende Willkommenstafeln, von verschiedenen Meißener Künstlern gestaltet (bspw. Leo), dessen Vögel eine Tafel im Schnabel halten, die 14tägig mit neuen Ankündigungen gewechselt wird. Grafikmarkt - Lange Nacht - Weinfest - usw. An allen Einfallstraßen. Kann auch eine Hausfassade sein, ein Bild, eine großformatige Skulptur. Für die Stadt eine Einmalinvestition, geringe Kosten für regelmäßige Neubestückung, auf eigenem Grund und Boden. Hohe Aufmerksamkeit. Regelmäßige hohe Kontaktfrequenz. Beleuchtung. Ganzjährig.

b - Daneben könnte man dann noch systematisch in der SZ-Beilage "Augusto" mit redaktionellen Geschichten werben. Und natürlich in Meißen Fernsehen. Kleine monatliche Grundunterstützung, regelmäßige Berichte. Mehr können wir uns im Moment sowieso nicht leisten.

Exkurs: Heutige Begrüßungssituation, neue Begrüßungstafeln, beispielsweise von Garsebach kommend. Logo Domtürme. Darunter Stadt Meißen. Dann Herzlich Willkommen - in 10 Sprachen.

Am 28.01.2009 hat der Stadtrat das "Leitbild Große Kreisstadt Meißen" beschlossen. Meißen - Die Domstadt an der Elbe mit der ersten europäischen Porzellan-Manufaktur und einer 800-jährigen Weinbautradition. Auf der städtischen Homepage heißen wir noch "Porzellan- und Weinstadt Meißen". Seit 2013 firmieren wir nur noch unter "Stadt Meißen". Wie heißt eigentlich unser Produkt, das wir kommunizieren? Oder haben wir inzwischen tatsächlich der Porzellanmanufaktur zu Liebe unser weltweit bekanntes Merkmal aus dem Namen gestrichen? Wenn wir aus der Porzellanstadt Meißen die "Stadt Meißen" machen, ist das markentechnisch genau so, als würden wir aus "August dem Starken" nur noch "August" machen. Und anschließend wieder Geld dafür ausgeben, daß unser August nicht mit dem armen August verwechselt wird.

2.3 Zuzügler (Wohnbevölkerung)

Vorweggeschickt: Hier geht es um eine sehr systematische Vorgehensweise, zu der das Marketing nur einen Teilbeitrag leisten kann. Herr Wackwitz hat in einem Vortrag 2012 unter der Rubrik "Schöner Wohnen" bereits von "zuvorkommender Beratung für Zuzügler" gesprochen. Diese gibt es aber nirgendwo, es gibt am Schluss der Kampagne MEI Meißen noch nicht mal eine Telefonnummer. 

Was ist das Produkt "Wohnen in Meißen"? Es ist nicht das Einfamilienhaus in der Nassau, denn diese Häuser kann ich grundsätzlich überall gleichermaßen hinsetzen. Da konkurriere ich mit anderen Dörfern und Städten um die kürzesten Wege zur Arbeit, um den preiswertesten Grund und Boden usw. Das ist austauschbar, daher kann es mit angeboten werden, ist aber niemals das Leitprodukt.

Unverwechselbar und einmalig sind stadtnahe Wohnlagen im Grünen, elbnahe Wohnlagen, Hänge und Hügel mit Ausblick - und natürlich einmalig: die Altstadt. Kostendruck und Wohnungsnot in Dresden sind bekannt, wie lange das noch anhält, wissen wir nicht. Um so zügiger müssen wir jetzt handeln, beispielsweise mit einem Zuzugsmanagement.

Stellen Sie sich vor: Alle Verkaufsangebote - Häuser, Wohnungen, Grundstücke - sind zentral erfasst, in einer Datenbank einzusehen. Sauber nach Kriterien erfaßt. Genau so bei Mietangeboten. Und dann machen wir alle 3 Monate einen "Tag der offenen Tür", den wir in DD und im Meißener Umland bewerben. Der Vorteil besteht darin, dass sich Interessenten ggf. mal 20 Sachen an einem Tag anschauen können. Gut aufbereitet und kompakt. (In Dresden haben wir bei den Gewerbeimmobilien in den 90er Jahren solche Tage d. offenen Tür gemacht, teilweise mit Bussen im Halbstundentakt abgeklappert).

Wir haben das im Kleinen 2 x mit den Meißener Immobilientagen gemacht. Genau so in Riesa. Unser Wunsch waren mindestens 100 Immo-Angebote zum Verkauf, die Stadt war aber nicht bereit, mit auf die Besitzer zuzugehen. So waren es dann etwa 25 Stück, i.d.R. stadtbekannte Ladenhüter Es waren jeweils etwa 100 echte Besucher da. Wir wollten Alt-Investoren einladen usw. im Ergebnis wurden jeweils 1 oder 2 Häuser verkauft, aber ein zugkräftiger Mechanismus geht anders. Man hat das Thema dann den Maklern überlassen, die halten jetzt meist Vorträge und bieten ihre seit Jahren im Angebot befindlichen Objekte an.

>>> befristet: Zuzugsmanagement
>>> Internet
>>> Anzeigen
>>> Flyer
>>> Tage der offenen Tür

2.4 Mehr Läden (insbesondere Altstadt)

  • Branchenmix analysieren
  • Geschäftsideen vorgeben
  • gezielte Suche und Startbegleitung

>>> Elektronischer Händler-Newsletter

>>> Veranstaltungskalender

2.5 Mehr Identifikation (untereinander, mit unserer Stadt)

  • Landesgartenschau
  • Tag der Sachsen
  • Stadtpatenschaften (Schirmherr Superintendent)

3. Finanzierung und Organisatorisches

  • Kurtaxe
  • Fremdenverkehrsabgabe
  • Sanierungsgebiet Ausgleichsabgabe
  • Marketing GmbH
Diskussionsgrundlage für das Treffen zum Thema Stadtmarketing
Wer sich mit einem Problem befaßt, ohne zu seiner Lösung beizutragen, wird früher oder später selbst Teil des Problems.
 
Montag, 30. Juni 2014, 19 Uhr
Schlaraffenburg, Burgstraße 27
Jörg Schlechte, Stadtrat (ab 2014)
Dr. Walter Hannot
 
"Er war stets bemüht" ist in Arbeitszeugnissen die sanfte Umschreibung dafür, daß jemand in seiner Tätigkeit den Anforderungen nicht genügt hat. Ein großes, engagiertes Bemühen von Stadtverwaltung und Stadtrat im Ringen um das Stadtmarketing Meißens wird sicherlich niemand den am Prozess Beteiligten in den letzten 5 Jahren absprechen. Trotzdem fehlt bis heute jegliches greifbare Ergebnis. Denn die Entscheide über die Einführung eine Kurtaxe oder die Gründung einer Marketing-GmbH sind höchstens zwei von sehr vielen notwendigen Bausteinen, für deren Entwicklung es aber keines 5jährigen Prozesses bedurft hätte.

Die öffentliche Meinung hat inzwischen jegliche Hoffnung auf ein brauchbares Ergebnis in absehbarer Zeit aufgegeben. "Der Flughafen Berlin-Brandenburg läßt grüßen", so der einhellige Tenor. Bis heute Recht behalten haben die Kritiker des begonnen Weges, nicht die Befürworter. Denn es gibt nach wie vor
  • keine konkrete Zeitschiene für den begonnenen Prozess und keinen Endpunkt;
  • weder konkrete Festlegungen oder auch nur Anhaltspunkte zu den Kosten des Prozesses noch zu den jährlichen Umsetzungen;
  • keine Analyseergebnisse, die über das bislang ja bereits Bekannte hinaus gehen;
  • keinen Maßnahmenplan mit Prioritäten- und Abarbeitungsliste;
  • kein Konzept für die inhaltliche wie personelle Ausrichtung der Marketing-GmbH.
Währenddessen leidet unsere Stadt zunehmend unter der Situation, exemplarisch an 3 Punkten festgemacht:
  •  Die Entwicklung des Tourismus (Übernachtungen wie Tagesbesucher) in Meißen entspricht schon seit vielen Jahren weder den Potentialen noch dem Umfeldvergleich in der Region noch dem deutschlandweiten Vergleich ähnlicher Städte.
  • Die Altstadtentwicklung befindet sich seit Jahren bereits in einer Negativspirale, der Leerstand an Läden nimmt zu, der Wohnungsleerstand ist kritisch, die Bevölkerungsentwicklung zeigt nach unten, der Sanierungsbedarf nimmt bereits wieder deutlich zu.
  • Während andere Kommunen im Umfeld der Landeshauptstadt vom Kostendruck bei den Wohnungen in Dresden profitieren und den Zuzug aktiv und erfolgreich für sich nutzen, fehlt es in Meißen an einer zielführenden Vorgehensweise.
Dies sind nur drei von vielen Beispielen, bei denen andere Kommunen längst schon erfolgreich unterwegs sind, während in Meißen von den Verantwortlichen immer noch diskutiert wird. Diese Aufgaben sind Teil eines viel breiter zu denkenden professionellen Stadtmarketings, was natürlich umgekehrt nicht heißt, daß die Probleme nur durch Marketing zu lösen wären. Die Entwicklung des Produktes als solches und das Marketing müssen Hand in Hand gehen.

Die genannten Aspekte sind nur einige Aspekte, deren sich ein professionelles Stadtmarketing annehmen muß, doch es sind in Meißen derzeit sehr akute Aspekte. Anliegen der Veranstaltung ist es, gemeinsam und systematisch eine Reihe von Maßnahmen vorzuschlagen, die auch ohne konzeptionellen Überbau ihre Wirkung entfalten können. Denn manchmal führen aufwändige Besucherzählungen zu keinen anderen Ergebnissen als die täglichen Beobachtungen derjenigen, die in Meißen leben. Meißen hat bereits Jahre in seiner Entwicklung wg. fehlendem Handeln verloren. Es liegt in der Verantwortung von Verwaltung und Stadtrat, ob noch weitere Jahre hinzukommen. Auch daran wollen wir im Ergebnis dieses Abends erinnern.
 
Im Anhang einige Zitate, die der besseren Einordnung dienen:
Am 16. März 2013 berichtete die SZ aus dem Verwaltungsausschuß zum Thema Stadtmarketing. Thema war die Bewilligung der zweiten 50.000 € für den Prozess zur Erarbeitung eines Stadtmarketing-Konzeptes. Mit einer Enthaltung stimmten die Stadträte im Ausschuss dem schließlich zu.

Zitiert werden in diesem Artikel

"Dorothee Finzel (Freie Bürger/SPD) forderte, einen finanziellen Rahmen festzulegen. Es könne nicht sein, daß das Konzept, das zum Abschluß der Arbeiten im Sommer vorgelegt werden soll, Maßnahmen enthält, die den Haushalt der Stadt sprengen. ... Außerdem bat sie die Stadtverwaltung, der Öffentlichkeit rasch erste greifbare Ergebnisse vorzulegen".

"Wolfgang Tücks (Unabhängige Liste Meißen) verwies auf die Ungeduld der Öffentlichkeit ... Wenn das Konzept erst im Sommer (2013!) fertig ist, gehe der Stadt und den vom Tourismus lebenden Institutionen und Unternehmen eine weitere Saison verloren".

"OB Olaf Raschke (parteilos) regte an, die Öffentlichkeit über Zwischenschritte und Maßnahmen, die noch in dieser Saison (2013!) umsetzbar sind, zu informieren".
 
Fazit: Seit März 2013 sind bereits wieder 15 Monate vergangen, nichts Erkennbares oder gar Wirksames ist geschehen. Weder 2013 noch in diesem Jahr ist irgendetwas wirksam geworden. Warum OB Raschke seine Verwaltung nicht angewiesen hat, seine eigene Anregung umzusetzen, ist eine weitere Frage.

Der Meißener Kulturverein hat an alle im Mai 2014 für den Stadtrat kandidierenden Parteien und Gruppierungen Fragen geschickt, darunter auch einige Fragen rund um das Thema Stadtmarketing. Diese Fragen wurden dankenswerter Weise von allen Parteien außer der CDU schriftlich beantwortet. 

Frage 6 lautete: Unter kritischer öffentlicher Begleitung wurde vor einiger Zeit die Erstellung eines Stadtmarketingkonzeptes in Auftrag gegeben, der Stadtrat hat der Bewilligung von bislang 100.000 € hierfür zugestimmt. Wie ist der aktuelle Stand, gibt es neue Erkenntnisse, gibt es ein Konzept mit konkreten Handlungsoptionen? Muss weiteres Geld aufgebracht werden, wann ist mit welchen Ergebnissen zu rechnen?

Antwort U.L.M., Wolfgang Tücks - Die Zukunft des Stadtmarketings war Thema gleich zweier Klausurtagungen des Stadtrates. Bei diesen Beratungen wurde auch externe Hilfe in Anspruch genommen. Einstimmig wurde beschlossen, die Meißen Marketing GmbH zu gründen. Derzeit werden dazu im Rat Grundsatzbeschlüsse gefasst, demnächst auch zur Finanzierung der Aufgabe. Eine Arbeitsgruppe befasst sich intensiv mit der inhaltlichen Gestaltung dieser GmbH. Dazu werden auch andere in Meißen tätige Akteure, wie z.B. der Gewerbeverein, mit einbezogen. Möglicherweise können auch Sie dabei mitwirken. Ziel ist es, dass diese GmbH zum 01.01.2016 arbeitsfähig ist.
 
Antwort DIE LINKE, Ullrich Baudis - Es gibt eine klare Zeitplanung, eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Stadtverwaltung und aller Fraktionen (siehe auch Presseinfos dazu). Was noch fehlt, ist ein Marketingkonzept seitens der Marketingverantwortlichen der Stadt. Ohne Konzept keine Fördermittel vom Freistaat, auch keine Zukunft für das Projekt. Dazu gehört auch ein operativer Maßnahmeplan für aktuelle, temporäre Aktivitäten. Stadtmarketing wird immer Geld kosten. Es ist eine Illusion, dass sich Stadtmarketing selbst trägt. Dafür ist das Aufgabenspektrum zu groß und ständig und ständig zu aktualisieren. Innenstadtmarketing - Aussenstadtmarketing.

Antwort SPD, Matthias Rost - Leider ist das vorliegende Marketingkonzept noch kein wirkliches Marketingkonzept, da es sich nur auf den Tourismus bezieht. Zum Stadtmarketing gehören neben der Tourismuswerbung eine überzeugende Ansiedlungspolitik für Zuzügler und Wirtschaft sowie vor allem die Verbesserung der Identifizierung der Meißner mit ihrer Stadt. Dazu gehört Politik für Familien, Alt und Jung, Neu-Meißner aus nah und fern, Gewerbetreibende und Mittelstand, aber auch Flüchtlinge. Eine gute Bildungs- und Sozialpolitik hat Auswirkungen auf ein erfolgreiches Stadtmarketing. Ein überzeugter Meißner ist auch ein besserer Gastgeber und zugleich ein überzeugender Repräsentant Meißens in der Welt. Die SPD drängt generell darauf, ein ganzheitliches Marketingkonzept zu entwickeln und langfristig umzusetzen. Insbesondere müssen die Stadtverwaltung und auch der Stadtrat dann bei all ihren Entscheidungen das Marketingkonzept beachten, etwa bei der Bauleitplanung, Förderung von Vereinen oder alltäglichem Verwaltungshandeln. Zum konkreten Stadtmarketingkonzept Meißens lässt sich noch keine abschließende Meinung bilden, da ein konkreter Handlungsplan durch die Stadtverwaltung noch nicht vorgelegt wurde.

Antwort Freie Bürger, Dorothee Finzel - Ich bin selbst in der Arbeitsgruppe Stadtmarketing, die seit Dezember 2013 etwas 5-6 mal getagt hat. Die Arbeit ist sehr produktiv und zielführend. Wesentliche Arbeiten zur Struktur der künftigen Organisation, zum Aufgabenumfang und zur Finanzierung sind vorbereitet/beschlossen und sollen im nächsten Jahr umgesetzt werden. Ergebnisse sind sicher nach der Sommerpause reif zum Veröffentlichen. 
Das konkrete Handlungskonzept wird ebenfalls deutlicher. Ein sinnfälliges Handlungskonzept kann aber erst entstehen, wenn klar ist, welche Maßnahmen geeignet sind, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Im Bereich des Tourismusmarketing muss man beispielsweise wissen, welche Zielgruppen mögliche Besucher des Elblandes sind und woher sie kommen (Quellmärkte). Wichtig zu wissen ist auch, ob wir uns im Marketing mehr auf die Tagestouristen oder auf (Kurz-)urlauber konzentrieren sollen. Diese Daten sind etwa seit März d.J. da. Nun macht es Sinn, Marketingmaßnahmen zu definieren und anzugehen. 

Ich habe beruflich selbst solche Prozesse wie unseren Stadtmarketingprozess organisiert und begleitet. Die Schwierigkeit ist immer eine gewisse Ungeduld bei Stadträten und Bürgern, die einen unmittelbaren und zeitnahen Zusammenhang zwischen eingesetztem Geld und Wirkung erkennen wollen. Das wäre schön, ist aber nicht leistbar. Ein paar kluge Maßnahmen zu definieren, die vielleicht zielführend sind, macht keinen Sinn. Damit verbrennt man nur Geld. 

Wie so oft erkennt man auch bei diesem Prozess, dass in Meißen schon sehr viele Leute gute Ideen haben und umsetzen, dass man aber wenig kommuniziert, damit parallel oder gar gegenläufig arbeitet. Packt man die Potentiale (auch Geldmittel), die bisher in Verwaltung, Gewerbeverein, Tourismusverein, Albrechtsburg, Manufaktur, Winzergenossenschaft und und und…. für das Tourismusmarketing eingesetzt werden, kommt man auf eine stattliche Ausstattung. Unter einem Dach wäre es viel effektiver. Daran arbeiten wir gerade. Sowohl der Prozess selbst als auch die Aufgabe „Stadtmarketing“ werden uns weiter Geld kosten, Wir betreiben Stadtmarketing aber nicht zum Selbstzweck. Wir kennen die Zahlen, in welchem Umfang unsere Stadt, die touristischen Einrichtungen (Hotels, Gaststätten, Museum, Dom.,..) und der Einzelhandel (v.a. bei den Tagestouristen) vom Tourismus abhängig sind. Man muss die Wertschöpfung im Blick haben, wenn man die Ausgaben für das Stadtmarketing nennt. Wir wissen, dass wir im Bereich Tourismus zulegen können. Im nationalen Vergleich sind wir Mittelmaß, auch wenn wir das nicht gerne hören wollen. 
 
Die CDU, Falk Werner Orgus, hat am 18. Mai nachfolgende Pressemitteilung zum Thema veröffentlicht:

MEISSEN PROFESSIONELLER VERMARKTEN: CDU fordert konsequente und zügige Umsetzung der neuen Strukturen für das Stadt- und Tourismusmarketing

Meißen/18/05/2014 - Die Meißner Union fordert Stadtverwaltung und Stadtrat dazu auf, die bereits beschlossenen neuen Strukturen für das Stadt- und Tourismusmarketing der Wiege Sachsens so schnell wie möglich umzusetzen.

"Eine professionelle und auf die verschiedenen städtischen Interessen abgestimmte Vermarktung ist spätestens seit der Bewältigung des Elbehochwassers 2013 bereits überfällig. Die Entscheidungsträger unserer Stadt hatten das Thema in den letzten 5 Jahren sehr oft auf der Tagesordnung. Zu einem zufriedenstellenden Ergebnis ist es auf Grund widerstreitender Ansichten über die Art und Weise der überregionalen Bekanntmachung unserer Stadt leider nicht gekommen. Da nehmen wir uns als CDU nicht aus der Verantwortung. Oder um es deutlicher zu sagen: Wir haben die Entwicklung eines modernen Marketingkonzeptes allesamt verschlafen.", so CDU-Stadtverbandsvorsitzender Matthias Weise.

In seiner April-Sitzung hat der Meißner Stadtrat nun einen Grundsatzbeschluss über die künftige Struktur des Stadt- und Tourismusmarketings gefasst. Kern des Konzeptes ist die Konzentration aller städtischen Marketingaktivitäten, finanziert durch zwei von der Stadt bei Tourismus- und Kulturbetrieben zu erhebende Abgaben. Die künftige "Stadtmarketing-Einrichtung" soll sich gleichsam für mehr Besucher, neue Einwohner und zukunftsfähige Arbeitsplätze engagieren. Über die genauen Aufgabenbereiche müsse man sich noch einigen.

"Es kann aber nicht sein, dass wir dafür wieder Jahre verschwenden. Spätestens zum Jahreswechsel 2014/2015 müssen endgültige Aufgabenbereiche, feste Strukturen und eine verlässliche Finanzierung stehen. Dabei haben Einzelanliegen gegenüber den allgemeinen städtischen Interessen zurückzustehen. Wir stehen mit dem vollgetankten Marketingmobil an der Startlinie. Nun gilt nur noch: Gas geben!", forderte CDU-Chef Weise abschließend.

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Wie brauchen glückliche Menschen in Meißen, sie sind der größte Anziehungspunkt für Touristen und für Zuziehende. Leute schauen sich mal Meißen an und denken, ja, ganz nettes Städtchen aber das war's. Sie kommen nicht wieder. Warum? Sie erleben hier keine freundlichen, lachenden, einladenden Menschen, sondern oft nur solche, die sich immer weiter in ihrer Negativspirale nach unten ziehen. Wir sollten uns auf das konzentrieren, was schon positiv ist und das weiter stärken. Wir sollten hier in erster Linie eine Umgebung schaffen, in der man sich als Mensch wohl fühlt und dabei ist jeder gefordert: An erster Stelle der Umgang miteinander - bejahen und fördern wir uns gegenseitig oder schimpfen wir nur aufeinander und bestätigen damit permanent das Negative der Stadt. Wir brauchen auch keine Sitzungen mehr, in denen alles zerredet wird, sondern wir brauchen Leute, die die Resignierten aus ihrem Dornröschenschlaf holen um dann gemeinsam aktiv zu werden. Ich habe das ganze politische Getue satt - kommt mal raus aus eurem permanenten Wahlkampfgeschrei, bringt Ideen auf den Tisch und kümmert euch dann engagiert um die Umsetzung derselben. Wer hier auf dem OB-Stuhl sitzt, ist mir völlig egal - hier braucht sich keiner wichtiger zu nehmen als der andere - wir sollten als Gemeinschaft gut kooperieren und unsere eigenen Vorteile hintenan stellen.

Kommentar von Nancy McDonnell 17-06-2014

DIE NÄCHSTE KASPERIADE WIRD VORBEREITET :

Sitzung: 55. Sitzung des Stadtrates
Datum: 25.06.2014
TOP-Nr: 12
Vorlage: 14/5/092
Betreff: Satzung zur Erhebung einer Kurtaxe

Anlagen zur Vorlage:

Anlage 1 - Satzung über die Erhebung einer Kurtaxe

Anlage 2 - Kurtaxkalkulation (Stand: 28-05-2014)

Meines Erachtens kann ein Verein NICHT VERWALTUNGSHEFER sein, die Leistung müsste auch AUSGESCHRIEBEN werden.

Kommentar von Dr. Zeller 19-06-2014

DIE WELT - 03.07.98 : "So hat Meißen mit Klaus Peter Jachmann einen früheren Unternehmer als Ressortleiter für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing engagiert. "Das oberstes Ziel unserer Stadtpolitik ist es, eine belebte Innenstadt zu schaffen", erklärt er. Für seinen Altenburger Kollegen Wolf-Peter Pankau setzt er die gleiche Priorität: "Die Innenstadt muß ihren Ruf als attraktive Einkaufszone zurückerlangen." Jachmann und Pankau überlegen nun, einen "City-Manager" genannten Problemlöser anzuheuern. Eine Herausforderung für die Obleute der Innenstädte wird der unausgewogene Branchenmix sein"

Kommentar von Dr. Zeller 20-06-2014

Sachsen
Meißner Altstadt wird immer leerer
aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2001/42 vom 20. Oktober 2001

MEISSEN (ru). Ein lauter Hilferuf kommt jetzt von den Gewerbetreibenden der Meißner Altstadt. Sie entvölkert sich immer mehr, Läden schließen. Allein in der Burgstraße und in der Fleischergasse haben bereits zwölf Geschäfte dichtgemacht. Damit hat auch das Gastgewerbe kaum Chancen, sich zu halten. Der Verein „Erlebnis Meißner Altstadt“ fordert jetzt von der Stadt ein Konzept zur Belebung der Straßen. „Unsere Innenstadt ist saniert und wunderschön geworden, aber jetzt passiert nichts mehr“, so Vereinsvorsitzender Klaus Röber, der ein Schuhgeschäft betreibt. Ein wesentlicher Grund seien die Mietpreise. „Viel zu hoch“, meinen auch die Gastronomen und erwarten auch von einem neu gegründeten Meißner Maklerstammtisch Ideen. Die Meißner Altstadt müsse in erster Linie ein eigenes Profil finden.

Kommentar von Dr. Zeller 20-06-2014

Lieber Leser, 

hier einmal ein kurzer Überblick darüberm was Stadtmarketing ist – nämlich zuerst Wohlfühlmarketing für die Bürger der Stadt – und kein Tourismusmarketing allein.

Stadtmarketing wird als Ansatz der zielgerichteten Gestaltung und Vermarktung einer Stadt definiert und basiert auf der Philosophie der Kundenorientierung. Es dient der nachhaltigen Sicherung und Steigerung der Lebensqualität der Bürger und der Attraktivität der Stadt im Standortwettbewerb. Dies geschieht im Rahmen eines systematischen Planungsprozesses und durch die Anwendung der Instrumente des Marketing-Mix. Das Produkt „Stadt“ ist das Er-gebnis der Einstellungen und des Handelns der Menschen in der Stadt. Stadtmarketing kann deshalb idealerweise von allen Menschen mitgetragen werden. In einem institutionalisierten Verfahren werden die vielfältigen und häufig unterschiedlichen Interessen aus dem öffentli-chen wie privaten Bereich zusammengeführt und die Kräfte gebündelt. Dies setzt die Vereinbarung von Zielvorstellungen voraus, zum Beispiel in Form eines integrierten Stadtentwicklungskonzeptes. Im Stadtmarketing werden Teilstrategien zusammengeführt. Diese werden nach Zielgruppen, Akteuren und räumlichen Schwerpunkten in Standortmarketing, Touris-musmarketing, Eventmarketing, Citymarketing und Verwaltungsmarketing unterschieden.

Jede Stadt muss individuell festlegen, welche Ziele sie mit dem Instrument Stadtmarketing verfolgen möchte und welches Stadtmarketingverständnis somit Anwendung findet. Bei-spielsweise zur Stärkung der eigenen Position im interkommunalen und überregionalen Wett-bewerb, um Einwohner, Kunden, Unternehmen und Besucher zu werben und zu binden, kön-nen verschiedene Tätigkeitsfelder in den Vordergrund gerückt werden. Solche wären dann Handels- und Dienstleistungsentwicklung, Gastronomie- und Tourismusangebot, Stadtgestaltung, Stadtentwicklung, Erreichbarkeit, Kundenbindung und Servicequalität, Veranstaltungs-und Ausstellungswesen, Standortmarketing, sowie Stadtkommunikation und –werbung.

Die wichtigsten Aufgaben und Ziele im Stadtmarketing sind Handlungsempfehlungen zur
Stadtentwicklung zu geben, um Attraktivität und das Image der Stadt sowohl als Wirtschafts-und
Lebensraum für die Bewohner als auch als Ziel für Besucher zu verbessern und somit die
Multifunktionalität der Innenstädte zu erhalten. Dabei spielt die Attraktivitätssteigerung der
Stadt für viele Städte, die Marketingaktivitäten betreiben, eine wesentliche Rolle, genauso wie
die eigene Stadt im Städtewettbewerb zu profilieren, den Handel in der Stadt zu fördern, die
Kooperation und Kommunikation privater und öffentlicher Akteure zu unterstützen, die Ermittlung
der Stärken und Schwächen der Stadt und der Entwurf eines Leitbildes für die Stadtentwicklung.
Die Wichtigkeit bestimmter Ziele unterscheidet sich nach der Stadtgröße. Die kleineren Städte möchten eher ihre Attraktivität steigern, ihre Stärken und Schwächen erkennen und ein Leitbild für die Zukunft formulieren. Bei den großen Städten spielen die wirtschaftsfördernden Ziele des Stadtmarketings oftmals eine gewichtigere Rolle.

Die Stadt muss sich in ihrer Entwick-lung an den Bedürfnissen all derer orientieren, die in ihr wohnen, arbeiten oder ihre Freizeit verbringen. Dabei unterscheidet man eine interne Zielgruppe, zu der die Bürger und die lo-kale Wirtschaft zählen, und eine externe Zielgruppe, die die touristischen Besucher, Pendler und auswärtige Unternehmen definiert.

HANDLUNGSFELDER
Die Bereiche in denen das Stadtmarketing wirksam wird, hängen eng mit den Zielen zusam-men, die mit den Aktivitäten erreicht werden sollen. Folgende können dazu gehören:
 Wirtschaftsförderung
 Innenstadtentwicklung (Einzelhandel, Gastronomie etc.)
 Stadtimage
 Attraktivität und Lebensqualität der Stadt
 Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, PR
 Wohnen und Wohnumfeld
 Verkehr
 Kulturpolitik
 Soziales und Gesundheit
 Bildung und Forschung
 Sport und Freizeit
 Natur und Umwelt
 Tourismus
 Inszenierung und Bespielung des öffentlichen Raumes (Verbesserung der Aufent-haltsqualität)

Kommentar von Dr. Zeller 20-06-2014

3 Fragen zum Stadtmarketing

1.Die Frage muß erlaubt sein, was diese Pressemitteilungen aus dem Bereich Stadtmarketing der Stadt Meißen überhaupt mit Stadtmarketing zu tun haben?

-Neues Corporate Design der Stadt Meißen
Stadt präsentiert sich in frischem Design

-Wir sind eine Reise wert!
Meißen wirbt um Tagesbesucher und Gäste im Sommer 2013

-Frequenzzählung in der Altstadt

-Tschechien wichtiger Quellmarkt

-Meißen wirbt in Stuttgart

-Meißen-Walking-Strecken laden zu Erkundungen in der Natur ein

-Internetauftritt von Stadt und Tourist-Information nun mehrsprachig

-Meißen putzt sich raus am 05. April 2014
Gemeinsamer Frühjahrsputz von Stadtverwaltung und Meißnern

Allesamt sind dies Maßnahmen des Tourismusmarketings, wobei der Subbotnik zum Frühjahrsputz wohl eindeutig in den Bereich von Ordnungsamt und Bauhof fällt und weder mit Stadtmarketing noch mit Tourismusmarketing zu tun hat.

Das Tourismusmarketing jedoch ist, wenn man sich die Strukturen und deren Finanzierung betrachtet, gerade in Sachsen üppig entwickelt, zum Teil überschneiden sich sogar die Aufgaben, das Feld ist quasi überbetreut von:
Landestourismusverband Sachsen e.V. – ( mit z.B. Fachausschuss Tourismuspolitik )
7 hauptamtliche Mitarbeiter
Mitglied des Vorstandes : Bert Wendsche
Vorsitzender Fachausschuss Tourismuspolitik
Vorsitzender Tourismusverband Sächsisches Elbland e.V.
Oberbürgermeister Stadt Radebeul

TMGS -Die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH
Mind. 15 hauptamtliche Mitarbeiter
Ziel ist, das Reiseland Sachsen am deutschen und internationalen Markt zu platzieren. DieTopThemen heißen Kunst und Kultur, Städtetourismus, Familienurlaub, Vitalurlaub & Wellness und Aktivurlaub. Entsprechende Urlaubsangebote können über das Touristische Informations- und Reservierungssystem Sachsen-buchen.de und ITS und online gebucht werden.

Der Tourismusverband Sächsisches Elbland mit Sitz in Meißen übernimmt das touristische Marketing für die gleichnamige Destination. Sie umfasst den Landkreis Meißen sowie die Städte Torgau und Tharandt.
Mind. 4 hauptamtliche Mitarbeiter

Tourismusverein Meißen e.V.- betreibt :
Tourist-Information Meißen
Markt 3
Mind. 6 hauptamtliche Mitarbeiter (auch in Teilzeit)

2. Die Frage muss erlaubt sein, ob in Verwaltung und Stadtrat klargestellt ist , welcher Unterschied zwischen Stadtmarketing und Tourismusmarketing besteht ?

Deshalb ein ZITAT AUS :

STADTMARKETING
Autoren: Jürgen Block, Stefanie Icks
Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e.V.

Datum: August 2010:
HANDLUNGSFELDER

Wirtschaftsförderung
Innenstadtentwicklung (Einzelhandel, Gastronomie etc.)
Stadtimage
Attraktivität und Lebensqualität der Stadt
Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, PR
Wohnen und Wohnumfeld
Verkehr
Kulturpolitik
Soziales und Gesundheit
Bildung und Forschung
Sport und Freizeit
Natur und Umwelt
Tourismus
Inszenierung und Bespielung des öffentlichen Raumes (Verbesserung der Aufent-haltsqualität)“

„Im Stadtmarketing werden Teilstrategien zusammengeführt. Diese werden nach Zielgruppen, Akteuren und räumlichen Schwerpunkten in Standortmarketing, Tourismusmarketing, Eventmarketing, Citymarketing und Verwaltungsmarketing unterschieden.
Beispielsweise zur Stärkung der eigenen Position im interkommunalen und überregionalen Wettbewerb, um Einwohner, Kunden, Unternehmen und Besucher zu werben und zu binden, können verschiedene Tätigkeitsfelder in den Vordergrund gerückt werden. Solche wären dann Handels- und Dienstleistungsentwicklung, Gastronomie- und Tourismusangebot, Stadtgestaltung, Stadtentwicklung, Erreichbarkeit, Kundenbindung und Servicequalität, Veranstaltung
und Ausstellungswesen, Standortmarketing, sowie Stadtkommunikation und -werbung. Um die Attraktivität der Innenstadt zu steigern, muss das Stadtbild ansprechend gestaltet werden. Zur Realisierung dieser Aufgabe ist eine ständige Kommunikation und Zusammenarbeit mit dem Einzelhandel, der Stadt, den Kulturtreibenden, dem Handwerk und den Dienstleistungen nötig. Die Ziele des Verwaltungsmarketings sind die Optimierung des Leistungsangebots im Vergleich des Konkurrenten und die Vermittlung eines positiven Images der Verwaltung in Bezug auf ihre Leistungen und ihres Angebots. Es soll eine Art transparente Verwaltung erstellt werden, in der alle Prozesse für Mitarbeiter und Außenstehende sichtbar ablaufen.“

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3. Die Frage muß erlaubt sein, ob die Stelle durch Frau Liebthal richtig besetzt ist

Frau Liebthal besitzt den staatlichen Abschluss als Diplom-Betriebswirtin (BA) für Tourismuswirtschaft Schwerpunkt: Reiseveranstaltermanagement, das ist ein kaufmännischer Abschluss, und war zuletzt tätig bei AugustusTours e.K. Inhaberin Anke Herrmann, einem Spezialreiseveranstalter für individuelle Radreisen und erlebnisvollen Wanderurlaub und als Incoming-Agentur für Städte- und Kulturreisen tätig. Frau Liebthal arbeitete dort im Bereich Marketing und in der Betreuung der Entwicklung der hauseigenen Software und Internetseite.

Sie erfüllt also die Anforderungen aus der u.g. Stellenanzeige (Auszüge) in keiner Weise:

ZUR ERINNERUNG :
Meißner Amtsblatt | 05/2012 | 25. Mai 2012
„Stadtmarketing“in der Stadt Meißen neu zu besetzen.
Zu den Aufgaben gehören insbesondere:
- Entwicklung von strategischen und insbesondere operativen Zielen des Stadtmarketings,
- Konzeption und Koordination von Marketingaktivitäten,
- Profilierung von Image und Identität der Stadt Meißen,
- Koordination und Moderation aller Anspruchsgruppen,
- Gewinnung und Pflege von Sponsoren, Unterstützern und Partnern
- Aufbau einer funktionierenden Organisations- und Finanzierungsstruktur im Stadtmarketing

Um der Erfüllung dieser Aufgaben gerecht zu werden, erwarten wir eine Bewerberin / einen Bewerber mit folgendem Profil:
- einschlägiges, abgeschlossenes Universitäts- oder Fachhochschulstudium,
- Berufserfahrung im Stadtmarketing oder vergleichbaren Aufgaben, die Sie außerhalb unserer Stadt gewonnen haben,
- herausragende konzeptionelle Fähigkeiten,
- Eigeninitiative, Innovationskraft und Organisationstalent,
- sicheres Auftreten, Überzeugungskraft, Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit,
- hohes Maß an Flexibilität, Kreativität und sozialer Kompetenz,
- Beherrschung einer oder mehrerer Fremdsprachen in Wort und
Schrift, insbesondere Englisch

Dies können wir gern am 30.06. 2014 diskuitieren.

Dr. phil. Johannes Zeller ,am 23.06.2014

Qualis rex, talis grex

Kommentar von Dr. Johs. Zeller 23-06-2014

Auf der Homepage der Stadt Meißen gibt es inzwischen einen Veranstaltungskalender. Das ist wunderbar!

Doch beim Aufrufen stellt sich schnell heraus, dass bezüglich der Benutzerfreundlichkeit noch Potenzial besteht. Denn die angebotenen Tabellen mit Datum, Uhrzeit und Kurzbeschreibung der Veranstaltungen erweist sich als informationelle Sackgasse. Für den surfenden Gast/Besucher läge ja die Erwartung nahe, dass er die ihn interessierende Veranstaltung anklicken kann, um Näheres zu erfahren (z. B. über Eintrittspreise oder die Möglichkeit des Kartenkaufs) - idealerweise würde er sogar direkt zu einer Buchungsoption weitergeleitet. In der jetzigen Darbietungsform müsste er sich das Angebot hingegen zunächst notieren, um dann anderenorts im Internet weiter zu suchen. Die allgemeine Lebenserfahrung besagt, dass das kaum jemand tun wird. Ergebnis: Chance einer Kundenbindung vertan; der Animationsversuch liefert lediglich ein Frustrationserlebnis.

Zahlreiche Angebote in der Tabelle sind außerdem mit Sternchen gekennzeichnet - dessen Bedeutung erschließt sich allerdings nicht. Außerdem gibt es innerhalb der Tabellen Anzeigen von Hotels, Veranstaltern etc. Auch diese sind jedoch leider nicht interativ, so dass der Besucher erneut zu Papier und Stift (noch stilvoller wäre natürlich Pergament und Feder) greifen müsste, um die angegebenen Telefonnummern bzw. Internet-Adressen aufzuschreiben. Auf der Startseite zum Veranstaltungskalender sind zwar zwei Kontakte angegeben, die jedoch nur "reaktionelle Zuarbeiten" und "Anzeigen" betreffen. Wohin sich der Gast/Besucher mit seinen Fragen wenden könnte, bleibt offen.

Fazit: Gut gemeint, aber noch verbesserbar. Um den Suchgewohnenheiten heutiger Internet-Nutzer zu entsprechend, wäre eine Verlinkung des Informationsangebotes dringend anzuraten. Ansonsten dürfte der Mobilisierungseffekt eher gering bleiben.

Kommentar von Dr. L. Sebastian Meyer-Stork 06-08-2014